Mit Rukka durch Marokko
Mit Rukka durch Marokko – oder
warum finnische Motorradbekleidung auch für die Sahara gut ist
Ein Erfahrungsbericht mit der Kombination
AirPower R3 während einer dreiwöchigen Motorradtour durch Marokko im März/April
2005
Wüste, Berge, Meer
Marokko weckt bei vielen Motorradreisenden
die Sehnsucht nach Abenteuer. Der Reiz des Unbekannten lockt. Bilder einer
fremden Kultur und überwältigende Landschaften tun ihr übriges dazu, den
Schritt auf den anderen Kontinent zu wagen.
Das Studium des Reiseführers verdeutlicht
sehr schnell, dass das Königreich Marokko eine ungeahnte Vielfalt an Landschaften
und Kulturen beheimatet. Atlas, Sahara, Rif sind einige der geläufigen
Schlagworte, die der Tourist mit diesem nordafrikanischen Land verbindet.
Hitze, Kälte und mehr
Ebenso vielfältig wie die Landschaften,
sind die Klimazonen. Im Norden gemäßigtes Mittelmeerklima, mit trockenen,
warmen Sommer und milden Winter, hin zum Atlas, der mit Gipfelhöhen um
4100 m und entsprechend niedrigen Temperaturen aufwarten kann und – nicht
zuletzt - die Sahara im Süden Marokkos. Dort klettert das Thermometer
im Sommer nicht selten auf 40° C und mehr. Selbst im Frühling erreichten
wir bei einem Trip durch die Wüste 33° C im Schatten, wenn denn welcher
zu finden war. Angenehmere Bedingungen findet man im Westen vor, wo der
kalte Kanarenstrom des Atlantik bis weit zum Atlasgebirge hin für eine
ausgleichende Wirkung auf das Klima sorgt.
Es gibt immer einen Weg!
Will man das Land erkunden, muss man
sich auf das Abenteuer marokkanischer Verkehrswege einlassen. Vor allem
im Süden bedeutet das auf asphaltierten Strassen, die manchmal nur eine
Fahrzeugbreite besitzen, zu beginnen und dann auf steinigen, staubigen
Pisten oder in ausgetrockneten Flussbetten weiter zu fahren. So kann sehr
schnell für den Autobahn verwöhnten Europäer eine anspruchsvolle und schweißtreibende
Herausforderung erwachsen, die ohne das richtige „Material“ kaum zu schaffen
ist.
Ideale Testbedingungen für die AirPower
R3 !
In drei Wochen konnten so fast alle
Situationen einer „normalen“ Motorradsaison, außer Fahrten im Dauerregen,
erlebt werden. Bei dieser Tour diente mir mein Motorradfreund Heiko als
unfreiwillige Ver-gleichsperson. War er doch immer ein verlässlicher Gradmesser
für das Maß an Anstrengung, das die einzelnen Etappen an seiner Kleidung
kurzfristig hinterlassen hatten. Nicht selten musste der Hitzestau, der
unter seiner Textilkombination auftrat, durch entsprechendes Öffnen der
Reißverschlüsse reguliert werden.
Start im Norden Marokkos
Zwei Wochen vor unserer Abreise am 19.
März hatte sich der Winter in Deutschland noch einmal mit Frost und Schneefall
zurückgemeldet. Kaum vorstellbar, dass man bald ins Schwitzen kommen wird.
Aber je weiter wir nach Süden über Frankreich und Spanien kamen, um so
mehr gewann die Sonne die Überhand. Eine ausgebuchte Autofähre spuckte
uns schließlich nach siebenstündiger Überfahrt in der marokkanischen Hafenstadt
Nador aus. Der afrikanische Kontinent empfing uns mit Sonnenschein und
angenehmen Temperaturen um die 22° C.
Ausgangspunkt unserer dreiwöchigen Tour
bildete die Stadt Taza, an einem Hügel zwischen Mittleren Atlas und Rifgebirge
im Nordosten des Landes gelegen.
Unsere erste Tagestour unternahmen wir
in den nahegelegenen Nationalpark Djabal Tazzeka im Mittleren Atlas, dessen
höchster Berg sich auf 1980 m über den Meeresspiegel erhebt und der auf
einer Piste bis ca. 20 Meter unterhalb des Gipfel zu befahren ist. Die
Temperaturen bewegten sich je nach Höhe und Tagesverlauf zwischen 17 und
24° C.
Das Einzippen der wasserdichten und
temperaturregulierenden Innnen-teile für die AirPower R3 empfiehlt
sich bei diesen Außentemperaturen noch nicht. Die über vierjährigen
Erfahrungen, die ich mit Outlast bestückten Innenteilen von rukka, u.a.
mit dem Vorgängermodell R2 auf verschiedenen Motorradtouren gemacht
habe, lassen den Komfort-bereich bei 20 bis 22° C Außentemperatur ansiedeln.
Sobald man stärkere körperliche Aktivitäten unternimmt, fängt man nicht
sofort an zu schwitzen, aber es wird nach längerer Zeit unter der Kombi
warm. Dank der regulierenden Wirkung von Outlast tritt kein Hitzestau am
Körper auf. Als Fahrer hat man so immer das sichere Gefühl, sich nur auf
seine Arbeit an Motor und Lenkstange konzentrieren zu können und nicht
gegen den drohenden Kollaps ankämpfen zu müssen.
Bei Temperaturen unterhalb des Komfortbereichs
von 20-22° C ohne Innenteil empfiehlt sich bei kurzfristig auftretenden
niedrigen Temperaturen Coolmax-Unterwäsche. In Verbindung mit der
R3 stellt die ebenfalls von rukka auf die Bedürfnisse
des Motorradfahrers entwickelte Unterwäsche die ideale Allroundkleidung
dar. Es ist wirklich erstaunlich, in welchen Temperaturbereichen diese
Unterwäsche für einen angenehmen Tragekomfort sorgt. Produkte anderer Hersteller,
die ich unter vergleichbaren Bedingungen getestet habe, brachten nicht
diese Eigenschaften zu Tage.
Sollte es trotzdem keinen ausreichenden
Schutz gegen Kälte geben, so ziehe ich in solchen Fällen noch ein Oberhemd
aus Kunstfasermaterial nach dem Zwiebelprinzip an. Die Atmungsaktivität
und die feuchtig-keitstransportierende Wirkung wird somit nicht unterbrochen.
Der Platzbedarf im Tankrucksack ist gering und die optimale Körpertemperatur
wiederhergestellt. Hier wäre vielleicht noch Entwicklungsbedarf für rukka
gegeben, indem alle „3 Schalen“ in Material und Funktion aufeinander
abgestimmt werden.
Wüste - 33°C - Die Kombi hält !
Ihre Nagelprobe musste die AirPower
R3 im marokkanischen Wüsten-gebiet Erg Chebbi absolvieren. Häufig wechselnde
Verhältnisse mit weichen Sandpassagen, betonharte Wellblechpisten, loser
steiniger Untergrund und eine unablässig scheinende Sonne, die selbst im
Frühjahr die Temperaturen auf 33°C steigen lässt, fordern die ganze Konzentration.
Eine Unachtsamkeit wird gleich mit einem Bodenkontakt des Fahrzeuglenkers
belohnt. Im Sand heißt es dann: Maschine ausgraben!
Hier ist die R3 zu Hause und
spielt ganz klar ihre Vorteile gegenüber anderer Motorradbekleidung in
den Vordergrund. Auf die kühlende Wirkung des Fahrtwindes bei der oft langsamen
und schweißtreibenden Tätigkeit kann man nicht bauen. Also müssen die konditionsmordenden
Hitzegrade anderweitig in den Griff zu bekommen sein. Und – diese Arbeit
muss vom Fahrer genommen werden. Alternierendes Öffnen und Schließen der
Reißverschlüsse stellt kein angemessenes Mittel dar, den Temperaturhaushalt
des Körpers zu regulieren, zumal die Schutzfunktion der Kleidung damit
herabgesetzt wird.
Mit der AFT - Faser ( airflow technology
) und der speziellen Verarbei-tungstechnik ist rukka der große Wurf
gelungen. Das Schwitzen hat die textile Kombi zwar nicht verhindert, aber
die Maschenstruktur gewährleistet in Verbindung mit der Coolmax Unterwäsche
eine schnelle und gleichmäßige Ableitung der Feuchtigkeit vom Körper, ohne
das es zu einem Frösteln kommt. Die Luft kann frei durch die Kombi zirkulieren,
wobei gerade soviel Luft hindurchgeht, dass weder eine Auskühlung des
Körpers stattfindet, noch die isolierende
Wirkung verloren geht.
Die Maschenbreite der AFT-Faser und
ihre Beschaffenheit ist wohl so gewählt, dass sie beiden gegensätzlichen
Anforderungen gerecht wird.
Somit schafft es die AirPower R3
auf intelligente Weise selbst unter erschwerten Fahrbedingungen die
damit einhergehenden Belastungen für den Zweiradpiloten zu minimieren.
Schön, dass man überhaupt keinen Gedanken verschwenden muss, welcher Reißverschluss
jetzt geöffnet wird, um dem drohenden Hitzekollaps entgegen zu wirken.
Die Kombi hält! So bleibt genug Gelegenheit
sich auf das Wichtige zu konzentrieren: Motorrad fahren !
Einzig mein Freund Heiko griff mehrmals
auf die vorher beschriebene Methode der Temperaturregulierung zurück, was
ihm zumindest zeit-weise eine gewisse Erholung verschaffte.
Das einzige, was bei uns beiden in Mitleidenschaft
gezogen wurde, war die Frisur, die unter den Helmen mangels Belüftung außer
Form geraten war. Selbst ein Haarspray eines namhaften Herstellers hätte
keine Abhilfe schaffen können.
Windige Höhen - 13°C - Die Kombi
hält !
Eine weitere Herausforderung für den
ambitionierten Zweiradartisten stellte die Durchfahrung der Todhra- und
Dadesschlucht mit Überquerung eines 2650 m hohen Passes dar. Beide Flüsse
stürzen sich in engen Canyons in südlicher Richtung den Hohen Atlas
hinunter und bilden bizarre Landschaften. Wir fahren zunächst in die Todhraschlucht,
die sich langsam aber beharrlich Richtung Norden in den Hohen Atlas hinaufschraubt.
Die Lufttemperatur liegt bei angenehmen 18 – 22° C. Der teils bewölkte
Himmel lässt die Sonne nicht durchkommen. Wir verlassen die asphaltierte
Straße und folgen der Anzeige unseres GPS querfeldein. Die Motorräder müssen
über Felsplatten und losen, steinigen Untergrund regelrecht jongliert werden.
Die Adrenalinspiegel steigt zusammen mit der körperlichen Anstrengung.
Jetzt bloß keinen Fahrfehler machen. Und wenn, auf die richtige Seite fallen.
Bergwärts! Selbst ein kleiner Umfaller kann auf solchem Terrain zu schmerzhaften
Verletzungen führen. Die rukka Protektoren schaffen jedoch ein sicheres
Gefühl. Bei einem Sturz auf einer argentinischen Schotterpiste der übelsten
Art haben sie schon einmal ihre Eignung voll unter Beweis stellen können.
Nach ca. 25 schweißtreibenden Kilometern
Offroad haben wir uns auf die Passhöhe gearbeitet. Die Temperatur ist bei
2650 m ü. NN auf 13° C gefallen und ein stürmischer Wind bläst uns entgegen.
Beim Abnehmen des Helmes findet die Frisur keinen Halt mehr. Die AirPower
R3 in Verbindung mit Coolmax-Unterwäsche und einem Kunstfaserhemd lassen
mich die unfreundliche Witterung vergessen. Ein Auskühlen des Körpers durch
Windchilleffekt findet sogar ohne Outlast-Innenteil nicht statt. Meine
Kleidung vermittelt mir ein angenehmes und behagliches Gefühl. Die Kombi
hält!
Marrakech - 34° C - Alles ist auf
der Strasse - Die Kombi hält!
Eine wirkliche Herausforderung für jeden
Verkehrsteilnehmer stellt die Königsstadt Marrakech dar. Nach einer beschaulichen
Überquerung des Tizi-n-Tichka Passes im Hohen Atlas fanden wir uns in der
Perle des Orients zur rush hour wieder. An Stelle einer Straßenverkehrsordnung
tritt die ganz normale Anarchie, die sich in den frühen Morgen- und späten
Nachmittagsstunden voll entfaltet. Es scheint so, als hätten sich die knapp
eine Million Einwohner zur selben Uhrzeit auf den Straßen verabredet. In
den nichtabreißenden Strom von Menschen und Fahrzeugen mischen sich Busse,
Lkw´s, Pkw´s, Pferdekutschen, total überladene Eselskarren, Fahrräder,
Mofas, Fußgänger, kurzum – alles, was Beine oder Räder hat, bewegt sich
in dieser tosenden Masse.
34° C Lufttemperatur, ein geregeltes
Chaos und wo gibt es bitte ein Hotel? In diesen Situationen heißt es kühlen
Kopf bewahren. Angesichts solcher Randbedingungen kommt man ins Grübeln,
ob ein Motorrad das richtige Fortbewegungsmittel ist. Die Erfahrungen mit
der AirPower lassen die Zweifel schnell verschwinden. Ich hatte
nie den Eindruck, dass das Tragen der Kombi unerträglich wird, sie auf
der Haut klebt und ich mir die Klamotten sofort vom Leibe reißen muss.
Die vergleichsweise hohe Atmungsaktivität der R2/R3 verhindert solche
Grenzsituationen. Ein Stressfaktor weniger und die Handlungsfreiheit ist
jederzeit gewährleistet. Ich kann mich voll auf das turbulente Treiben
in Marrakech konzentrieren. Die Kombi hält!
Was für Motorräder das ABS als passive
Sicherheitseinrichtung ist, ist rukka mit der AirPower R3 bei
der Fahrerbekleidung gelungen.
Die Funktionalität der Motorradbekleidung
schafft ein hohes Maß an aktiver und passiver Sicherheit. Sie entlastet
und unterstützt den Fahrer wirksam in allen Situationen. Gerade in Extremen
zeigt sich die Eignung des Materials besonders.
Nachtrag
Was wäre die beste Kombi ohne
Regenschutz? Auf meiner Tour durch Marokko konnte ich die Regentauglichkeit
nicht testen. Gelegenheit hatte ich dann aber doch auf einer Heimfahrt
von den Vogesen Ende Mai. Drei Stunden Dauerregen hat die rukka ohne
Inkontinenz überstanden.
Als ebenso tauglich hat sich die Klimazone
im Gesäßbereich erwiesen. Beim Vorgängermodell trat beim längeren Sitzen
auf dem Motorrad ein Nässegefühl im Gesäßbereich auf. Da im direkten Kontakt
mit Sitzbank und Fahrer keine ausreichende Luftzirkulation stattfand, kam
es in Folge der Transpiration nach einiger Zeit zu einem Feuchtestau. Mit
Blasenschwäche hatte das allerdings nichts zu tun. Eine ärztliche Behandlung
war nicht nötig. Das eingebaute „Luftkissen“ der APR3 sorgt für
ein prima Klima und trägt nicht auf!
Es gibt noch einige kleine sehr sinnvolle
Änderungen, die ich für erwähnenswert halte.
Da wären z.B. die Reißverschlüsse an
den Ärmeln. Im Gegensatz zum Vorgänger lassen sich die Handschuhe bei geöffnetem
Reißverschluss wesentlich bequemer unter die stormcuffs der Innenjacke
ziehen. Die Klettverschlüsse erlauben dann eine schnelle und individuelle
Weitenanpassung um das Handgelenk.
Noch eins zum Thema Reißverschluss.
Beide Außentaschen der Jacke lassen sich mit einem Zug nach unten verschließen.
Beim Vorgängermodell ging es in die andere Richtung. Das hatte den Nachteil,
wenn man bei der Fahrt merkte, dass die Tasche offen ist, zog man beim
Schließen die Jacke immer mit hoch. Eigentlich war eine zweite Hand erforderlich,
um den Reißverschluss vollständig zu schließen.
Ebenfalls eine wirklich praktische Ergänzung
ist die zusätzliche Außentasche der Hose. Einen sicheren Platz für den
Fahrzeugschlüssel bietet sie allemal.
Ich finde es erfreulich, dass rukka
kleine, aber wichtige Details ständig überarbeitet, wo andere Hersteller
ihren innovativen Ideen nur im Design freien Lauf lassen.
Nach all dem Lob, noch ein kleines Manko.
Die Druckknöpfe. Auch bei der APR3 ist schon ein Druckknopf abgegangen,
ebenso der Schutzgummi auf den Knöpfen der Jacke. Gleiches ist mir schon
bei der APR2 passiert.
Jedes mal wurden die schadhaften Teile
umgehend und schnell auf Garantie repariert. Bei anderen Herstellern bedarf
es zäher Verhandlungen und einer Auffrischung des Erinnerungsvermögens,
bis der Kunde am Ziel ist. Der scheinbar günstige Einkaufspreis erweist
sich so oft als Fehlinvestition, weil der Hersteller nicht bereit ist,
die volle Produktverantwortung zu übernehmen. Mangelnde Funktionalität
und Qualität lässt sich leider bei Motorradbekleidung nicht durch ein nachträgliches
„Tuning“ verbessern. Es gibt mittlerweile einige Freunde, die diese Meinung
mit mir teilen und es nicht bereut haben, einen relativ hohen Anschaffungspreis
auf den Tisch zu legen. Qualität hat eben ihren Preis, aber sie zahlt wirklich
aus. Was nützt mir eine günstige Kombi von Hein Blöd und Co, wenn ich in
der Wüste in meiner Textilsauna mit dem Hitzekollaps ringe? Gute Gründe,
die Entwicklung von Motorrad-bekleidung und der guten alten Sauna in finnischen
Händen zu belassen. Irgendwie müssen sie wohl über die besseren Erfahrungen
verfügen.
Wolfgang Schäfer